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Aircraft Recycling Symposium 2016

Aircraft Recycling Symposium 2016

Die Zahl der ausrangierten Flugzeuge wächst in den kommenden 15 Jahren auf 8.000 bis 15.000. Die ausgedienten Maschinen sind eine enorme Rohstoffquelle und bieten der Wirtschaft neue Chancen. „Beim Recycling von Flugzeugen stehen wir allerdings erst am Anfang“, erklärte Dr. Jörg Woidasky. Der Professor für Nachhaltige Produktentwicklung an der Hochschule Pforzheim lud zum dritten Aircraft Recycling Symposium nach Stuttgart ein. Über 40 europäische Wissenschaftler und Industrievertreter diskutierten am Donnerstag, 17. März 2016, über Möglichkeiten und Risiken der Verwertung von ausrangierten Flugzeugen.

„Flugzeuge sind Wertstoffquellen“, diese Überzeugung vertraten die Symposiumsteilnehmer einhellig. Allerdings ist die Wiederverwertung alles andere als simpel. Während für Montage und Wartung umfangreiche Dokumentationen vorgeschrieben sind, ist dies für die verwendeten Materialien nicht der Fall. „Trotz der Dokumentation ist die Erkennung von Werkstoffen ein weitgehend unbearbeitetes Gebiet“, stellte Jörg Woidasky fest. So müssen die Verwertungsunternehmen vor der Zerlegung selber Analyseverfahren einsetzen, um den weiteren Arbeitsablauf zu organisieren. Mit einer Röntgenfluoreszenzanalyse werden so beispielsweise die einzelnen Metall-Legierungen bestimmt.

Derzeit sind rund 26.000 Flugzeuge weltweit im Einsatz. Nach der Inbetriebnahme fliegt eine Maschine durchschnittlich 26 Jahre bevor sie ausgemustert wird. Aus den Flugzeugen können mehrere tausend Tonnen Titan oder Aluminium, aber auch seltene Metalle wie Rhenium, Gold oder Platin zurückgewonnen werden. Rhenium gilt als eines der kostbarsten Materialien und wird als Legierung in den Schaufeln der Flugzeugturbinen verwendet. Durch den ungewöhnlich hohen Schmelzpunkt des Metalls wird die Beständigkeit bei heißen Temperaturen verstärkt. „Die Forschung in den Unternehmen und den wissenschaftlichen Instituten arbeitet derzeit intensiv an Verfahren, hochwertige Legierungen sortenrein aus den Flugzeugturbinen wiederzugewinnen“, fasste Jörg Woidasky zusammen.

Der Einsatz von sogenannten Verbundstoffen spart Gewicht und damit Treibstoff. „Der Name sagt schon viel über das Material“, kommentierte der Pforzheimer Professor. In den Verbundstoffen sind mindestens zwei verschiedene Materialien – oft Kunststoffe – vollständig miteinander verbunden. „Dies stellt hohe Anforderungen an den Trennungsprozess, der vor einer Wiederverwendung erfolgen muss“, beschreibt Dr. Woidasky das Problem. Am Fraunhofer Institut für Chemische Technologie (ICT) im Pfinztal wird an der Zerlegung von Verbundstoffen gearbeitet. Mit Hilfe von Wasser und Druck sollen die zerkleinerten Verbundstoffplatten in Kohlenstofffasern und in Wasser aufgelösten Epoxidharz getrennt werden. Das Institut forscht auch an neuen Ausgangsstoffen für die Innenausstattung der Flugzeuge auf Basis nachwachsender Rohstoffe, die später auch einfacher zu recyceln sein sollen.

„Die Themenpalette beim Flugzeugrecycling wird uns in den kommenden Jahren sicher nicht ausgehen“, bilanzierte Jörg Woidasky zum Abschluss des 3. Aircraft Recycling Symposiums der Hochschule Pforzheim. Die Veranstaltung bietet eine „neutrale“ Austauschmöglich zwischen politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Akteuren. „Wir überlegen derzeit weitere Partner mit einzubinden und so die Attraktivität noch mehr zu steigern“, erklärte Professor Woidasky. Das Recycling von Flugzeuge bietet ein enormes wirtschaftliches Potenzial, das in der Zukunft noch steigen werde. „Natürlich hängt die Ausschöpfung dieser Ressource von der Wissenschaft und der engen Zusammenarbeit aller Partner ab“, ist Jörg Woidasky überzeugt.

Prof. Dr. Jörg Woidasky (vorne links) beim dritten Aircraft Recycling Symposium der Hochschule Pforzheim in Stuttgart
  • Beitrag vom 16. März 2016 in der SWR Landesschau aktuell Baden-Württemberg "Wenn ein Flugzeug reif für die Tonne ist"

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