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Fünf Fragen an...

... Marin Ivankovic, Absolvent des Studiengangs Bachelor Wirtschaftsingenieurwesen/International Management

Sie haben mit einem Kompagnon die GOCOMO GmbH in Berlin gegründet, eine Tech-Firma für Influencer-Marketing. Vom Studium in den Beruf, beschreiben Sie uns Ihren Weg.

Mein Weg begann vor genau 10 Jahren an der Hochschule Pforzheim. Während meiner Studienzeit hatte ich begonnen, bei der Daimler AG als Praktikant und Werkstudent zu arbeiten. Von meinen insgesamt vier Stationen (zwei Jahre) bei Daimler, hatte ich das Glück, zwei davon im Ausland (China und Indien) zu verbringen - eine sehr prägende Zeit. Ich habe wahnsinnig viel Praxiserfahrung gesammelt und tolle Leute kennengelernt. Nichtsdestotrotz war mein allergrößtes Learning, dass ich mir nicht vorstellen kann, bei einem solch großen Konzern mit sehr starren Hierarchien, festgefahrenen Prozessen und, meiner Meinung nach eingeschränkten Möglichkeiten der Gestaltung, zu arbeiten. Somit entschied ich mich, die Firma zu verlassen und einen Master in Schweden zu machen. Nachdem der Master abgeschlossen war und es an der Zeit war, wieder zurück nach Deutschland zu kommen, kam für mich nur Berlin in Frage. Warum? Weil mir zu diesem Zeitpunkt schon klar war, dass ich irgendwann etwas Eigenes gründen möchte und Berlin dafür genau das richtige Pflaster war. Jedoch war der richtige Zeitpunkt noch nicht gekommen. Über mein Netzwerk wurde ich dem Gründer der Social Chain Group (damals Glow Media Group) vorgestellt und bin dort als einer der ersten Mitarbeiter im Business Development eingestiegen. Die Zeit bei der Social Chain Group war definitiv wegweisend, da ich zum einen sehr schnell sehr viel Verantwortung bekam (Betreuung der ‘Höhle der Löwen’-Startups, Aufbau einer Tech-Firma in Indien und Aufbau der USA-Headquarters in NYC).Und zum anderen, weil ich sehr eng mit dem Gründer zusammengearbeitet habe, somit direkten Einblick in seinen Alltag erhielt und viel lernen konnte (durchaus auch, wie Dinge nicht gemacht werden sollten). Während meiner Zeit bei der Social Chain Group baute sich immer weiter das Bedürfnis auf, endlich etwas Eigenes zu starten, was dazu führte, dass ich sowohl vor als auch nach der Arbeit, an einem kleinen E-Commerce Shop und in einer Social Media Firma in Kroatien arbeitete. Beides lief gut an, und ich machte auch schon die ersten Sales, bis im Oktober 2019 Sascha (mein jetziger Co-Founder) bei der Social Chain Group anfing. Wir hatten von Anfang an ein sehr gutes Verhältnis und sind sehr schnell auf den Trichter gekommen, dass wir doch potentiell etwas zusammen starten sollten. Wir steckten die Köpfe zusammen, fingen an, gemeinsam vor und nach der Arbeit an der Idee zu arbeiten, und 2,5 Monate später kündigten wir unsere Jobs und stürzten uns in ein großes Abenteuer - COMO. Drei Jahre später sitzen wir mit 35 Mitarbeitern in Berlin und haben das Privileg, mit den größten Brands der Welt zusammenzuarbeiten - das macht mich sehr stolz.

Wie sieht Ihre typische Arbeitswoche aus?
Diese Frage kann ich leider nicht direkt beantworten, da jede Woche und sogar jeder Tag so anders sind, dass man sie nicht miteinander vergleichen kann, geschweige denn eine “typische Arbeitswoche” definieren kann. Aber genau das macht es so interessant. Eine Konstante, die ich jedoch nennen kann, ist, dass viele Momente Situationen der Inkompetenz mit sich bringen. Jetzt werden die meisten denken: “das ist aber kein gutes Gefühl?!”, und das ist auch ok so, da “Inkompetenz” in unserem Vokabular eher negativ behaftet ist. Wir bei COMO sehen Inkompetenz aber als etwas Positives. Wenn ich Inkompetenz erlebe, dann heißt das, dass ich dazulernen muss, um dieser Inkompetenz entgegenzuwirken und eine Kompetenz daraus zu machen. Das wiederum bedeutet, dass ich mich als Person/Gründer/Geschäftsführer konstant weiterentwickeln muss und es somit nie Stillstand geben kann. Wenn man das Ganze von der anderen Seite betrachtet: Wenn ich kein Erlebnis der Inkompetenz mehr habe, tritt eine Routine ein, welche auf kurz oder lang zu Langeweile führt. Aus diesem Grund bin ich froh, dass wir stetig neuen Herausforderungen begegnen und der Alltag bei COMO uns alle auf Trab hält.

Wenn Sie an Ihre Studienzeit zurückdenken, was haben Sie an Erfahrungen und Kompetenzen mitgenommen?
Das erste, woran ich bei dieser Frage denken muss, ist ‘Netzwerk’. Ich habe 2014 meinen Abschluss an der HS Pforzheim gemacht und habe immer noch täglich Kontakt mit meinen Freunden, die ich während des Studiums kennengelernt habe. Das Coole an der Sache ist, dass wir nicht nur privat miteinander befreundet sind, sondern teilweise sogar auf einer professionellen Ebene zusammenarbeiten. Zum Beispiel ist einer meiner besten Freunde E-Commerce Manager eines Konzerns und hat vor kurzem meine Firma COMO beauftragt, das Influencer-Marketing voranzutreiben. Das sind die Dinge, die wirklich zählen. Natürlich habe ich durch die Vorlesungen und Labore einiges an Erfahrung und Kompetenzen mitgenommen. Aber wenn wir ehrlich sind, ist davon nach 10 Jahren nicht mehr so viel abrufbar. Was jedoch bleibt, sind die Freundschaften und das Netzwerk (wenn man es pflegt), welches man sich in diesen Jahren aufgebaut hat und das sehr nützlich sein kann, egal welchen Karriereweg man einschlägt.

Welchen Ratschlag geben Sie unseren Studierenden für die Karriereplanung?
Seid offen, neue Wege zu gehen und nutzt die Zeit während des Studiums, euch so viel und so breit wie möglich auszuprobieren. Als ich an der HS Pforzheim war, wurde überwiegend von der Karriere im Konzern gesprochen. Somit war es auch das Nonplusultra, in einem großen Konzern zu arbeiten und die Hierarchieleiter so hoch wie nur möglich zu klettern. Versteht mich nicht falsch - das ist auch eine mega-coole Karriere, und ich habe den allergrößten Respekt davor. Trotzdem finde ich, dass alternative Wege leider viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen und somit keiner wirklich daran denkt, sich für ein Praktikum in einem Startup zu bewerben oder nach einem Direkteinstieg in einem jungen Unternehmen zu suchen. Deshalb appelliere ich an euch, auch mal nach links und nach rechts zu schauen und vielleicht sogar einen Weg einzuschlagen, der noch nicht geebnet ist.

Liebe Fakultät für Technik, wofür ich Dich schon immer mal loben wollte:
Liebe Fakultät für Technik, mein Lob geht ganz klar 'raus an die Professoren/innen, die es in der Regel geschafft haben, Vorlesungen sehr interessant und vor allem praxisnah zu gestalten. Die Praxisnähe und relevante Praxiserfahrung der Professoren/innen erlaubte es mir, theoretische Modelle leichter zu verstehen, da sie durch reale Beispiele viel greifbarer und anschaulicher vermittelt werden konnten. Vielen Dank dafür!