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Pilzmyzel - Die Zukunft der Nachhaltigkeit!

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Myzel_2024

Die Masterstudierende des Studiengang „Produktentwicklung“ experimentieren mit Pilzmyzel als Baustoff

Um Fragen des Umweltschutzes entgegentreten zu können, bedarf es innovativer Produktlösungen. In der Veranstaltung Bionik, die innerhalb des Moduls „Innovationen aus Natur und Technik“ angeboten wird, sollen die Master-Studierende in ihrer Vorstellungskraft für mögliche neue Funktionen für Produkte bzw. neue Realisierungsmöglichkeiten geschult werden. Eine unerschöpfliche Quelle für neue Ideen kann dabei die Natur sein. Bionik verbindet die Möglichkeiten, die aus der Natur kommen mit der der Technik. Eine naturorientierte Lösungsfindung erleben die Studierenden durch das Experiment „Bauen mit Pilzmyzel“. Prof. Dr. Peter Kohmann, der das Fach "Bionik" lehrt, sieht eine zunehmende umweltpolitische Bedeutung in bionischen Konstruktionen. Mit Häusern, die nach dem Vorbild von Pflanzen konstruiert sind, lasse sich beispielsweise Heizenergie effizienter nutzen und ein Airbus, der mit einer von Haifischhaut inspirierten Rillenfolie überzogen wurde, spare Treibstoff, da sich sein Bewegungswiderstand verringere.

Myzel ist ein bemerkenswertes Material, das die Ingenieure erst seit kurzem am Entdecken sind. Einfach gesagt, ist es die Wurzelstruktur von Pilzen, vielseitig und faszinierend und für das Funktionieren des Lebens auf der Erde unerlässlich.

In der Natur lebt, atmet und wächst das Myzel. Es tut dies, indem es Nährstoffe im Boden findet. Diesen Prozess versucht man im Labor zu nutzen. Dem Myzel dienen z.B. landwirtschaftliche Abfallprodukte als Nährstoff. Das Myzel ernährt sich selbst, wächst und bindet alle Fasern aneinander. Das kann willkürlich geschehen, aber wenn man eine Form vorgibt, nimmt es diese an. Auf diese Weise können Dinge in bestimmten Designs hergestellt werden. Wenn es dann die gewünschte Form bzw. das gewünschte Design angenommen hat, wird es in einem Ofen gebacken, um das Myzel abzutöten. Als Endprodukt erhält man ein sehr starkes und einzigartiges Produkt, welches zu 100% kompostierbar ist. Es ist z.B. Materialien wie Styropor oder anderen Einwegkunststoffen weit überlegen und könnte sie ersetzen. Außerdem ist das Recyclingverfahren für Myzel-Produkte unglaublich praktisch, die Mutter Natur kümmert sich mühelos mit natürlichen Mitteln darum.

Am 08. Mai haben die Master-Studierende unter Anleitung der beiden Kommilitoninnen Nina Schindler und Edolina Krasniqi den Versuch gestartet kleine Bauelemente in vorproduzierten Formen herzustellen. Die Versuchsleiterinnen haben das Pilzmyzelsubstrat, bestehend aus einer Mischung organischer Materialien wie Holzspänen, Stroh, Sägemehl oder anderen pflanzlichen Abfällen, die mit Körnerbrut infiziert sind, vorab angesetzt. Das Myzel wächst durch dieses Substrat und ernährt sich von den darin enthaltenen Nährstoffen, während es sich ausbreitet und Myzel produziert. Mit hoher hygienischer Achtsamkeit, um das Myzel nicht mit Sporen anderer Pilze zu verunreinigen, wurden die Formen mit dem Biobaustoff befüllt.

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Die "zu Stein gewordenen Endprodukte" sind ein Beispiel für die aus Pilzmyzel herstellbaren Baustoffe, die viele Vorteile bieten: Sie sind schnell und umweltfreundlich herzustellen, widerstandsfähig und trotzdem leicht, wasserabweisend und kompostierbar.

Aber nicht nur Baumaterial lässt sich herstellen, das Myzel ist ein perfekter Ersatz für Kunststoff in der Verpackungsindustrie und nicht zuletzt auch für Kleidung geeignet. Wenn die Myzel-Verpackungen und -Textilien ausgedient haben, lassen sie sich ganz einfach kompostieren.

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Nachhaltige Produktentwicklung, Elektrische Antriebstechnik, Leichtbau, Fahrzeugtechnik und -mechatronik, Programmieren, Qualitätsmanagement, Bauteiloptimierung, Maschinendynamik, Lasermaterialbearbeitung, Kunststoff- oder Stanztechnik, Materialwirtschaft und Fabrikplanung – das Maschinenbau-Curriculum ist so vielseitig wie die beruflichen Möglichkeiten nach dem Studium. Der Masterstudiengang „Produktentwicklung“ orientiert sich an den industriellen Kernprozessen von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt. Die Lehrinhalte, so das Pforzheimer Alleinstellungsmerkmal, werden nicht nur im Hörsaal, in Laboren und Workshops, sondern in Form von eigenständig zu erstellenden Projektarbeiten vermittelt.