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Technik trifft auf Design: Angehende Wirtschaftsingenieure beweisen „Mut zum Stift“

Freihandzeichnen: Bachelorstudiengang „Wirtschaftsingenieurwesen/ Innovation und Design“ 


Van Gogh und Picasso würde man nicht zwingend mit einem Hörsaal an der Fakultät für Technik der Hochschule Pforzheim in Verbindung bringen. Der interdisziplinäre Bachelorstudiengang „Wirtschaftsingenieurwesen/ Innovation und Design“ (WI / ID) bricht allerdings mit dem Bild der vermeintlichen Unvereinbarkeit – jüngstes Beispiel aus der Lehre: Die Stuttgarter Diplomdesignerin und Illustratorin Stephanie Türck vermittelt den WI/ID-Studierenden im aktuellen Sommersemester das Freihandzeichnen im Rahmen des Fokusmoduls „Marktorientierte Gestaltung“; und das unter anderem mittels der sogenannten Methode von Charles Bargue, die schon die eingangs genannten berühmten Künstler anwendeten. Die angehenden Wirtschaftsingenieurinnen und -ingenieure tauschen hierfür Taschenrechner gegen Kohlestifte und das Tablet gegen ein Skizzenbuch. „Unser Studiengang verbindet die Fähigkeiten und Kompetenzen der drei Pforzheimer Fakultäten Technik, Gestaltung sowie Wirtschaft und Recht. Die interdisziplinäre Ausrichtung entspricht dem strategischen Ziel unserer Hochschule, Experten auszubilden, die ihre jeweilige Fachexpertise im Verbund mit verschiedenen Disziplinen ideal einsetzen können“, so WI / ID-Studiengangleiter Prof. Dr.-Ing. Hennig Hinderer

„Zeichnen ist relevant“, ist sich Stephanie Türck sicher. Ihr Zeichenkurs befähigt und ermutigt die Studierenden über die Schulung der Wahrnehmung, akademische Methoden und das freie Experiment zur visuellen Kommunikation eigener Ideen mit dem Stift. Grundlegende Zeichentechniken werden mit Fokus auf Kontur und Form, Licht und Schatten, Proportion, Perspektive und Komposition vermittelt und praktisch erprobt, die Studierenden dabei zu kreativen Lösungsstrategien animiert. Die Unterrichtseinheiten im Freihandzeichnen finden im Hörsaal, auf dem Außengelände der Hochschule und im nahe gelegenen Wald statt.

„Der Studiengang WI / ID hat mich persönlich angesprochen, da er den bereits fachübergreifenden Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen noch interdisziplinärer gestaltet. 
Man bekommt so Einblicke in verschiedene Fachbereiche, kann während des Studiums herausfinden, welcher Fachbereich einem am besten liegt und sich so dann später in diesen vertiefen. Für mich ist dieser Bereich das kreative Arbeiten, weswegen ich die Chance des Fokusfachs Freihandzeichnen und Markengestaltung ergriffen habe“, so Studentin Luisa Kohnle.

„Der Kurs Freihandzeichnen gefällt mir sehr gut, da er einen schönen Ausgleich zu den wirtschaftlichen und technischen Kursen im Studium Wirtschaftsingenieurwesen darstellt. Besonders positiv empfinde ich, dass wir uns als Gruppe in Form einer Retrospektive viel Zeit dafür nehmen, verschiedenste Techniken und Herangehensweisen voneinander zu lernen", so Student Benedict Dilli.

Stephanie Türck
Benedict Dilli
Luisa Kohnle

„Das Studium richtet sich an alle, die gerne auf Basis der Grundlagen des Wirtschaftsingenieurwesens einen Schwerpunkt auf innovative Trends und das Design von neuen Produkten, Dienstleistungen oder unternehmerischen Abläufen legen möchten", so Henning Hinderer. „Wir reagieren mit dem neuen Bachelorstudiengang auch auf den Bedarf unserer Studierenden nach stärkerer Profilbildung innerhalb der verschiedenen Studiengänge im Wirtschaftsingenieurwesen.“

 

Anfang März 2021 wurde der neue Bachelorstudiengang „Wirtschaftsingenieurwesen / Innovation und Design“ der Pforzheimer Fakultät für Technik erfolgreich akkreditiert – und hat im Wintersemester 2021 ebenso erfolgreich begonnen: Bereits zum ersten Durchlauf waren 31 Studierende dabei. „Wir hatten über 100 Bewerber – ein deutliches Signal, dass wir mit unserem neuen interdisziplinären Studiengang ein innovatives Angebot geschaffen haben, das in dieser Form auch gesucht wird und auf Interesse stößt“, so Henning Hinderer.

„Wirtschaftsingenieurwesen / Innovation und Design“ begegnet den Anforderungen des Marktes in Zeiten von technologischem und gesellschaftlichem Wandel. Unternehmen, die langfristig erfolgreich agieren wollen, müssen gefragte innovative Produkte und Geschäftsmodelle entwickeln und gestalten. Eine gute Idee muss bewertet und ihre Vermarktungschance ausgelotet werden. „Unsere schnelllebige Welt führt zu kürzeren Produktlebenszyklen, so dass auch das kreative Design von Prozessen einen Wettbewerbsvorteil bringen wird“, so Henning Hinderer.

Die innovative Ausrichtung des Studiengangs spiegelt sich auch in den Lehrmethoden wider: Ein „Ideenbuch“ als „Studienbegleiter“ soll den Studierenden Anreize geben, ihre Ideen fortwährend zu Papier zu bringen. Warum macht die Idee die Welt besser? Wer könnte die Innovation haben wollen? Wie viele mögliche Kunden gibt es? Wie viel wäre jemand bereit, zu bezahlen? Was brauche ich noch? Warum könnte es nichts werden? „Auf diese Weise setzen die Studierenden sich fortwährend mit Nutzen und Wertangebot, Zielgruppen, Markteinschätzung, Einnahmequellen, Ressourcen und möglicherweise benötigten Partnern sowie Risiken auseinander. Das Freihandzeichnen ist dabei eine wichtige Fähigkeit, um Ideen schnell zu visualisieren und mit anderen zu kommunizieren“, so Henning Hinderer.

Zusätzlich zu den grundlegenden wirtschaftsingenieurwissenschaftlichen Inhalten zu Studienbeginn, stehen im weiteren Verlauf die Themenkomplexe Innovationsmanagement sowie die Gestaltung technischer Ideen im Fokus. Als erster Bachelorstudiengang der Hochschule Pforzheim verankert WI/ID mit dem Vertiefungsmodul „Innovation und Design“ im sechsten und siebten Semester auch die Zusammenführung technischer, wirtschaftlicher und gestalterischer Inhalte als wesentlichen Bestandteil des Stundenplans.